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Ausstellungen

28/05/13
In Berlin widmete er sich ganz dem diesjährigen Schwerpunktthema „Touch“. Beginnend mit Michelangelos „Die Erschaffung Adams“ nahm er die Besucher mit auf eine Suche nach Berührungen und „touching moments“. Er sprach über den „Sound of Touch“, wenn z. B. ein Pferd mit seiner Zunge über Holz fährt. Und über ein Foto, das ihn nicht mehr loslässt: Es zeigt ein Kind, das durch die Katastrophe von Bhopal 1984 ums Leben kam und kurz vor seiner Beerdigung noch einmal von einer Hand berührt wird. Das Publikum bezog er mit persönlichen Gegenständen ein, die er unter den Zuschauern verteilte. Man müsse Gegenstände in die Hände nehmen, drehen und wenden, ihre Oberfläche befühlen und ihr Gewicht erfahren, um sie zu erfassen und verstehen zu können.

Reto Wettach (Gründer und Design Director) und Nancy Birkhölzer (Managerin und Partnerin) von IxDS präsentierten eine Recherche zu „Touch“-Anwendungen, die „mehr als nur zwei Finger“ des menschlichen Körper einbeziehen. Zum Beispiel ein Gerät zum Bezahlen mit EC-Karte: Umso höher der zu bezahlende Betrag, umso größer ist der Widerstand beim Durchziehen der Karte.

Gesche Joost leitet seit 2005 das Design Research Lab an der Universität der Künste Berlin (und wurde außerdem vor kurzem als Expertin für das Thema „Vernetzte Gesellschaft“ ins SPD-„Kompetenzteam“ des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück berufen). In ihrem Vortrag stellte sie anhand von konkreten Projekten „Prototypen einer vernetzten Gesellschaft“ vor, die erste Lösungen für Probleme bieten und mit deren Hilfe sich alternative Realitäten erproben lassen. So beispielsweise eine Strickjacke (Knit Alarm), in die ein Auslöser für Notrufe eingearbeitet ist. Risikopatienten müssten keinen „roten Knopf“ mehr bei sich tragen – eine bestimmte Bewegung in der speziell für sie entwickelten Strickjacke würde ausreichen, um Hilfe zu rufen. Ein weiteres großes Thema (das auch in anderen Vorträgen angesprochen wurde) ist die Vernetzung lokaler Nachbarschaften, um kleine Gemeinschaften zu bilden, in denen man sich austauscht und gegenseitig unterstützt. Derzeit läuft ein solches Pilotprojekt des Design Research Labs mit der Nachbarschaft der Berliner Fischerinsel.

Der Designer und Programmierer David Demaree aus dem Typekit Team bei Adobe widmet sich vor allem den Themen Nutzererfahrung und Data Modeling. Er kritisierte in seinem Vortrag: „Even though technology has finally progressed, the conventions of web design remain firmly rooted in print.“ Beim Gestalten von Webseiten müsse an alle Interfaces gedacht werden (also auch an die Darstellung auf Tablets und Smartphones) und man dürfe sich nicht nur an der festen Bildschirmgröße eines PCs orientieren.

Neben dem Thema „Touch“ lag in diesem Jahr auch ein Fokus auf der russischen Designszene. So hielten Mitya Kharshak und Peter Bankov Vorträge zu ihren Magazinen, Projector und <"http://kak.ru/eng/">[kak). Auch der Post It Award, der vor allem für russische Designstudierende eine große Rolle spielt, wurde vorgestellt.

Alexey Novichkov ist stellvertretender Leiter der Abteilung für Infografiken der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Er stellte u.a. die „Inside“-Serie vor, die es Nutzern ermöglicht sich interaktiv durch Gebäude wie das Weiße Haus zu bewegen. Sein Team hat außerdem anlässlich der Demonstrationen der Opposition in Russland ein Programm entwickelt, mit dem man (auf Grundlage von Luftaufnahmen) schätzen kann, wie viele Teilnehmer wirklich vor Ort waren.

Mikhail Simakov, Senior Informationsdesigner bei den Moskovskie Novosti (Moskauer Nachrichten) sprach gleich im Anschluss. Simakov erklärte zunächst die Struktur und Arbeitsweise seines Teams. Seit 2012 (in diesem Jahr gab es einen Relaunch) arbeiten Redaktion und Gestaltung Hand in Hand. Die Themen kommen nicht mehr „von oben“, sondern können sowohl von Redakteuren als auch von Gestaltern vorgeschlagen und diskutiert werden. Auch an der Recherche sind nun beide Seiten beteiligt. Das hat zu sichtbar besseren Ergebnissen geführt. Novichkovs Projekte beinhalten digitale Umsetzungen von Infografiken, Simakovs Arbeiten sind dagegen alle im Print-Bereich angesiedelt.

Zu den beeindruckensten Vorträgen der Typo 2013 zählt der Auftritt von Kate Moross. Dafür spricht schon die Tatsache, dass Ken Garland am Ende des Vortrags aufstand und Moross seine Referenz erwies: „Kate, I just wanted to say: Thank you, thank you, thank you!“ Moross präsentierte nicht nur sehr gute Arbeiten, sondern nahm auch mit ihrer Präsenz auf der Bühne das Publikum für sich ein. Neben der Entstehung von Plattencovern und Musikvideos („I started my own record label simply so I could design the album covers“) sprach sie auch über ihre Motivation und den „DIY Punk Ethos“: „Learn how to fix something that is broken. Anyone can do or be anything. Grow or make your own. Repair don’t replace. Reclaim, recycle. Teach.“ Sie arbeitet schnell und intuitiv – und mit einer Begeisterung und Leichtigkeit, die sie in ihrem Vortrag authentisch vermitteln konnte.

Nach mehr als vierzig Vorträgen und Workshops, viel Input und zahlreichen Eindrücken endete die Typo Berlin 2013 am Samstag mit einer langen Partynacht.

 
 
 
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