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Ausstellungen

19/06/13
Die Veranstaltung begann mit einem Vortrag von Petra Eisele, Professorin für Designgeschichte und -theorie an der FH Mainz. Sie erörterte die Frage, ob Vertrauen eine Funktion von Gestaltung sein kann. Durch die Krisen der vergangenen Jahre, angefangen mit den Anschlägen vom 11. September bis hin zur Banken- und Finanzkrise, ist das Vertrauen der Menschen ins Wanken geraten. Sowohl das Vertrauen in Staaten und Banken als auch das Vertrauen in Marken. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass viele Brands nicht mehr die Strategie der „wirtschaftlichen Performance“ verfolgen, sondern mehr Transparenz anstreben und auf soziale Verantwortung (Beispiel: Fair Trade-Produkte) und persönliche Werte setzen. Eisele gab einen Überblick über verschiedene Entwicklungen und stellte u.a. das Projekt „Fleet Solution“ von Michelin vor, in dem Reifen nicht mehr verkauft, sondern verliehen werden. Michelin übernimmt die Wartung der Reifen, die dadurch eine längere Haltbarkeit bekommen. Es bleibt offen, ob die Unternehmen nun wirklich umdenken und sich ihrer Verantwortung bewusst werden oder ob es sich nur um einen Marketingtrick handelt. Jedenfalls sind sie durch den Vertrauensverlust dazu gezwungen, sich mit den Thema zu befassen.

Als erstes CI-Projekt wurde das Erscheinungsbild von Brot für die Welt vorgestellt, dessen Umgestaltung von Faktor Design (Hamburg) betreut wurde. Anlass für eine Überarbeitung des CIs war die Eingliederung des Evangelischen Entwicklungsdiensts in die Organisation Brot für die Welt.

Finn Sienknecht, neuer Geschäftsführer von Heine/Lenz/Zizka und Florian Kaps (Gründer von Impossible) präsentierten die Geschichte und das Erscheinungsbild von The Impossible Project. Im Oktober 2008 kaufte Kaps die letzte Fabrik für die Produktion von Polaroidfilmen im niederländischen Enschede auf. Mit einem Team aus Experten wagte er das „Unmögliche“: Sie nahmen die Produktion von Instantfilmen, die Polaroid hatte auslaufen lassen, wieder auf. Polaroid hatte nicht die neue, junge Zielgruppe erkannt, die als Gegenpol zu digitaler Fotografie und Smartphones „alte Werte“ und „Magie“ in analoger Fotografie sucht. Mit Heine/Lenz/Zizka wurde ein Name (The Impossible Project) gefunden und der Auftritt der Marke konzipiert und umgesetzt. Zentrale Frage war immer, wie weit Impossible Polaroid in der Gestaltung zitiert und ab welchem Punkt eine eigene Sprache entwickelt wird. Sienknecht und Kaps gingen u.a. auf das Design der eigenen Stores ein, das je nach Kultur und Lebensgefühl des Landes oder der Stadt, in der sie sich befinden, anders aussieht. Außerdem wurde ein neues Produkt präsentiert, das es möglich macht, Bilder, die mit einem Smartphone aufgenommen wurden, auf Instantfilm auszudrucken. Das Publikum reagierte allerdings eher skeptisch auf diese neueste Entwicklung.

Die Linde Group, ein Gase- und Engineering-Unternehmen mit ca. 62.000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern, wird seit Jahren von der Peter Schmidt Group betreut. In ihrem Vortrag auf der cxi berichteten Sandy Brückner und Marcus Stegmüller (The Linde Group) zusammen mit Norbert Möller (Peter Schmidt Group), wie seit 2007 weltweit in der Markenwechsel umgesetzt wird. Im zweiten Teil der Präsentation ging es um die Sichtbarmachung der Gase. Damit die Linde Group ihre Produkte abbilden kann, wurde ein Programm entwickelt, das Bild und Ton anhand der Eigenschaften des jeweiligen Gases generiert.

Andreas Weber (Stan Hema) und Klaus-Peter Siemssen (Vorstandsvorsitzender Selux) stellten ihre Zusammenarbeit am Markenauftritt von Selux, einem Anbieter von Beleuchtungslösungen mit Sitz in Berlin, vor. Sie sprachen sowohl über den Übergang des familiengeführten in ein managergeführtes Unternehmen als auch über dessen neues Erscheinungsbild. Die Neupositionierung richtet sich vor allem an die Zielgruppe aus Innenarchitekten und Designer, die Selux erreichen möchte. Dafür musste nicht nur der Empfangsbereich des Unternehmens umgestaltet werden, sondern auch der Messeauftritt – und schlussendlich musste das Apostroph aus dem Schriftzug von Se’lux verschwinden. Weber und Siemssen berichteten von ihren Erfolgen, klammerten aber auch Streitpunkte, Diskussionen oder Fehler in der Kommunikation (die ja in solch einem komplexen Prozess durchaus vorkommen können) nicht aus. Gerade dadurch machten sie deutlich, wie eine gute Zusammenarbeit zwischen Gestalter und Auftraggeber aussehen kann.

Nach dem Vortrag von Christian Hanke (Edenspiekermann) und Martin Sieber (Vice President Product von GetYourGuide), die über die Corporate Identity von GetYourGuide sprachen, ging ein langer, aber spannender und informativer Konferenztag zu Ende. Die Atmosphäre war angenehm, die Organisation professionell und das Publikum bestand aus einer guten Mischung von Profis und Studierenden aus den Bereichen Marketing und Design. Es verwundert also nicht, dass die vom corporate identity institut zusammen mit der Fachhochschule Mainz veranstaltete cxi mittlerweile zur führenden Konferenz im Themenbereich Corporate Identity geworden ist.

 
 
 
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